2014

Projekt zum Status Quo des Gemeindebaus


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Hoflandschaft

Die Gemeindebaustadt in einer großen Grünfläche

Der ignorierte Luxus

Das ursprünglich signifikante Merkmal der Gemeindebauwohnungen ist heute indifferent. Die weitläufigen Hofanlagen und die Freiraumgestaltung des Wiener Wohnbaus produzierten ein Grandeur, das gegen die maximierte Ausnutzung von Grundfläche für den kommerziellen Wohnbau der Gründerzeit und die daraus resultierenden schlechten Belichtungs- und Belüftungssituationen zu lesen ist. Heute ist das öffentliche Grün der Wiener Gemeindebauten ein ignorierte Luxus der Stadt. Größer als die größte Park- und Freizeitlandschaft Wiens, der Prater, zwei mal so groß wie die Wiener Innenstadt, fast vier Mal so groß wie der Schlosspark in Schönbrunn dehnt sich die auf die Stadt verteilte grüne Ressource in ihrer Gesamtheit aus.

Die Grünflächen der Gemeindebauten werden aber weder in ihrer Ausdehnung, noch in ihrer Funktion als öffentlich zugängliches Grün wahrgenommen. Entgegen der räumlich eindeutig abgegrenzten Parkanlage im Prater, oder auch des Gartens in Schönbrunn hat das in der Stadt verteilte Grün der Wohnungsanlagen einen anderen Status. Prater und Schlossgarten spannen eindeutig einen Freizeitraum für viele auf. Die Freiräume der Gemeindebauten Wiens dagegen haben einen ambivalenten Status. Sie sind weder privat, da sie in öffentlichem Besitz sind, noch werden sie von der Öffentlichkeit als allgemein zugänglich wahrgenommen, da sie sich in der privaten, oder zumindest halb-öffentlichen Sphäre der Wohnungsbauten befinden.

 

Der Grünraum des Wiener Praters

Die Grünräume werden von der Stadtverwaltung, von oben herab, als öffentliches Gut „bewirtschaftet“, gepflegt und instand gehalten. Sie werden auch in ihrer Nutzung stark reglementiert: oft sind Ballspiele nicht erlaubt oder Hunde nicht zugelassen. Die Liste der Gebrauchsbeschränkungen ist lang und Funktionsflächen werden exakt definiert und strategisch platziert um etwaige Konflikte zwischen Grünraumbenutzerinnen und –benutzern und den Bewohnerinnen und Bewohnern von vornherein zu vermeiden.

 

Die Virtualität

Eine Stadtlandschaft die nur aus Gemeindebau in einem großen, öffentlichen Park besteht. Eine Stadt in der die Erholungs- und Freizeitlandschaft auch die Infrastruktur und das Rückgrat für die gebaute Umwelt sind. Eine Stadt in der ein gigantischer Park rund um die Gebäude mäandert und alles fußläufig erreichbar ist. Eine Stadt wie ein unendlich ausgedehnter englischer Landschaftsgarten, in dem die Gebäude strategisch so platziert sind, dass sie jeweils den Status einer Villa bekommen. Und eine Stadt beispielsweise wie die Royal Crescent in Bath, deren Mitte das gemeinsame Grün ist. Eine Stadt ohne Distanzen! In dem Sinne eine Stadt nach der funktionalen Stadt und ihren monofunktionalen Zonen. Eine Stadt in der Wohnen und Freizeit entgrenzt sind und ineinander verschmolzen sind. Eine Stadt in der verschiedene Funktionen auf gleichen Flächen stattfinden können.

 

Interventionen

Drei Gemeindebauten aus unterschiedlichen Epochen und mit unterschiedlichen Typologien sind Testraum für Interventionen die den Status der Wiener Hoflandschaft verändern.

Hugo Breitner Hof (1949-56) 

Grünflächen werden als Aktivitätszonen markiert. Infrastrukturpunkte erlauben die Sportplatzmarkierungen, Gartenmöbel, Sonnenschirme sind Teil eines Hoflandschaftsbaukastens.

Infrastrukturgarten Hugo Breitner Hof

Wohnbau Vorgartenstraße (1959-62)

Der Hof wird durch eine mächtige Einfriedung „privatisiert“. Nur Bewohnerinnen und Bewohner mit Schlüssel haben Zugang zum Hof und seiner Nutzung.

Intervention Vorgartenstraße

Am Schöpfwerk (1976-80)

Ein Hof wird überdacht zum Wintergarten. Der Hof wird zum Innenraum mit neuer Vegetation und anderen Nutzungsmöglichkeiten.

Intervention Am Schöpfwerk