2005–2009

Centre for Research Architecture, Goldsmiths College London
Royal Academy of Fine Arts, Copenhagen

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Die Architektur der immateriellen Arbeit

Norman Foster: Air Office, 1972

Die Forschung zur Architektur der immateriellen Arbeit lässt sich durch folgende Leitfragen explizieren:

Finden sich mit der heute in den westlichen Industrienationen dominierenden kulturellen Praxis der immateriellen Arbeit auch neue Formen und Ordnungen der Architektur?
Aus welchen Kräften wird sie zusammengesetzt?
Wie wird sie diskursiv konstruiert und produziert?
Welche Formen nimmt sie an? Welche Räume produziert sie?
Verschwindet mit den klar definierten Räumen der Fabrik auch die Arbeitsarchitektur im Allgemeinen?

Architektur als Mittel der Subjektivierung
Als Mittel der Subjektivierung und als Teil der Organisation und Repräsentation von Produktionsprozessen stellt Arbeitsarchitektur einen Gegenstand dar, der direkt an die disparaten Formen des Kapitalismus angeschlossen ist. In ihren herausragenden Beispielen kristallisieren sich die vorherrschenden Diskursformationen: die Vorstellungen, wie Menschen sich versammeln, wie Menschen produktiv gemacht werden können und wie man die Versammlung von Menschen kontrolliert und steuert.

Der räumliche Aspekt einer allseits in der Gesellschaft aufgehenden Produktionsform, die keiner herkömmlichen Fertigung von physischen Erzeugnissen entspricht, sondern sich über Kommunikation definiert, die nicht mehr ausschließlich in einem monofunktionalen Container stattfindet, wie es noch das Konzept der funktionalen Stadt des CIAM vorsieht, sondern sich gleichermaßen überall in unseren urbanen Agglomerationen verteilt, eröffnet die Problematik einer Architektur immaterieller Arbeit.

Die sich daraus ergebende Fragestellung spannt sich im Kräftefeld des politischen Konzepts der immateriellen Arbeit auf und fragt nach den Produktionen der Architektur, die im Paradox einer allgemeinen Arbeitsarchitektur gefangen sind: Jede postulierte Besserung hin zu mehr Leben, jede sich vom Kapitalismus und der Arbeit emanzipierende Bewegung hin zu mehr Freiheit und Emanzipation ist bereits innerhalb des vorherrschenden Diskurses, in unserem Falle des kapitalistischen Systems, funktionalisiert.

Yoko Ono und John Lennon arbeiten im Bett
(Bed-In, Montreal, 1969)

Repräsentation oder (Neu)Ordnung
So muss man auch fragen, ob Architektur immaterieller Arbeit bloß das Erscheinen der Arbeiter und Arbeiterinnen in einem Produktionsraum als geordnetem Innenraum darstellt, der streng durch die Entlohnung der Arbeit definiert ist. Designt also die Architektur, mit den Worten des Philosophen Jacques Rancière, die "Gestaltung der Beschäftigungen und der Eigenschaften der Räume, auf die diese Beschäftigungen verteilt sind"? Oder ordnet die Praxis der Architektur "die Verhältnisse, die den Arbeitsplatz bestimmen, in seinem Verhältnis zur Gemeinschaft neu"? Sind die Architekten und Designerinnen also Berater, Animateure und Agentinnen der kapitalistischen Ordnung, oder wirken sie mit den Mitteln der Architektur auf die gewohnten Ordnungen und Verteilungen ein und verändern damit den Status ebendieser? Kann die Architektur also neue Verbindungen und Verhältnisse herstellen, die vorher noch nicht existiert haben?

Hans Hollein, Peter Noever: Svobodair, 1968


Dissertationsforschung, Stipendium der königlich Dänischen Akademie der Künste. Durchgeführt am Center für Designforschung an der Schule für Architektur in Kopenhagen und am Center for Research Architecture am Goldsmiths College London.

Dissertationsbetreuung: Dr. Juliane Rebentisch