2014

Roland-Rainer-Forschungsstipendium
Großwohnanlagen weiterbauen, Urbanität erzeugen

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Wohnungsbau ist Stadtbau

Filmstill "Der Traum der bleibt", 1996

Die Situation heute: die entgrenzte Gesellschaft

Die monofunktionalen Wohnungsanlagen sind Teil einer sich zusehends ausdehnenden Stadtlandschaft. Gleichzeitig hat sich aber die post-industrielle Gesellschaft und ihre Ökonomie seit den 1970er Jahren radikal weiterentwickelt. Liberale Argumente dominieren die gesellschaftlichen Diskurse, die heute sogar das Wohnen als Grundrecht in Frage stellen. Gleichzeitig durchdringt die Arbeit heute alle Bereiche menschlicher Tätigkeiten. Die Arbeitszeit wird mit der Freizeit vermischt. Aus- bzw. Weiterbildung und Arbeit im engeren Sinn werden zunehmend ununterscheidbar.

Man spricht von der entgrenzten Gesellschaft und der gesellschaftlichen Fabrik. Die ehemaligen Prinzipien der Gleichräumigkeit und Gleichzeitigkeit sowie der funktional eindeutigen Zuschreibungen von Arbeiten, Produzieren, Wohnen, Konsum und Freizeit lösen sich mit den aktuellen Arbeitsorganisationen der immateriellen Arbeit auf. In dieser Situation gilt es auf mehreren Ebenen die Wohnbaupraxis zu aktualisieren und das Wohnen wieder von zeitgenössischen Arbeitsbedingungen her zu denken.

 

Zielsetzung: Wohnungsbau ist Stadtbau

Das Projekt versteht die Großwohnanlage als Möglichkeitsfeld der funktionalen Nachverdichtung. Es entwickelt Strategien und konkrete räumliche Interventionen für die funktionell dichte Durchmischung von Großwohnanlagen.

Wohnungsbau ist Stadtbau geht den folgenden Fragen nach:
Wie kann die neue Arbeit in den Großwohnanlagen ihren Raum finden? Wie kann die Großwohnanlage funktional durchmischt und zu einem tatsächlich urbanen Quartier werden? Wie kann der zunehmenden Vereinzelung zeitgenössischer Arbeit mit räumlich-architektonischen Mitteln entgegnet werden? 

Das Projekt ist dem Diktum einer Gesellschaft nach dem Wachstum verpflichtet. Der Bestand wird interpretiert, bestehende Ressourcen werden neu verteilt und architektonisch-räumliche Eingriffe entwickelt. In diesem Zusammenhang sind partizipatorische Ansätze von Raum- und Stadtentwicklung ungemein wichtig. Ein zeitgenössischer Wohnungsbau und Stadtbau muss sich idealerweise aus der Gesellschaft heraus entwickeln können.

 


Auszug aus dem Juryprotokoll

"Die Fokussierung auf die wichtige Verbindung von Wohnen und Arbeiten – insbesondere im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen in diesen beiden Feldern – adressiert ein Thema, welches für die Zukunft der Großwohnanlagen essentiell ist. Damit ist ein Weg aufgezeigt, der aus ihrer gegenwärtigen Monofunktionalität führen könnte."